In diesem Artikel erfährst Du mehr über die 5 meist unterschätzten Warnsignale und die 3 wahren Ursachen für schlechte Zusammenarbeit im Team.
Dein Team funktioniert nicht (mehr)? Beschäftigt auch Dich diese Frage in Deinem Führungsalltag? Dann bist Du nicht allein. Aus meiner Arbeit mit Führungskräften weiss ich: Die meisten Probleme für schlechte Zusammenarbeit im Team werden zu spät erkannt. In der Hektik des Alltags wirken sie unscheinbar und bleiben lange unbemerkt. Und doch sind sie präsent. Sehr präsent sogar. Denn unterschwellig laufen in einem Team weit mehr Dynamiken ab, als an der Oberfläche sichtbar sind. Die Konsequenz: die schlechte Stimmung im Team nimmt zu, die Produktivität sinkt und wertvolle Fachkräfte gehen. Die gute Nachricht: Wer die Anzeichen früh genug wahrnimmt und den Ursachen auf den Grund geht, kann effizient gegensteuern und unerwünschte Konsequenzen gänzlich vermeiden.
In diesem Artikel erfährst Du, woran Du ein nicht funktionierendes Team erkennst und welche drei Ursachen fast immer dahinterstecken.
So erkennst Du: mein Team funktioniert nicht (mehr)
Ein Team funktioniert nicht (mehr), wenn die Zusammenarbeit mehr Energie raubt, als sie generiert. In der Praxis zeigt sich das selten von einem Tag auf den anderen. Es ist ein schleichender Prozess. Absprachen werden ungenauer oder verschwinden gänzlich, Aufgaben bleiben liegen, Verantwortlichkeiten werden hin und hergeschoben, Schuldzuweisungen nehmen zu und Machtkämpfe schleichen sich ein. Die Stimmung im Team verändert sich. Keiner hat jedoch den Mut, offen darüber zu sprechen. Und genau hier beginnt das Problem: Dieser Prozess beginnt unscheinbar. Aus diesem Grund werden die Warnsignale auch oftmals nicht wahrgenommen. So lange, bis die Anzeichen irgendwann nicht mehr zu übersehen sind und bereits ein irreparabler Schaden entstanden ist.
Woran erkennst Du schlechte Zusammenarbeit im Team?
Schlechte Zusammenarbeit im Team erkennst Du eher an der aktuellen Teamstimmung als an konkreten Zahlen. Wer hier früh hinschaut, spart sich später viel Zeit, Energie und Ressourcen. Durch meine Arbeit mit Führungspersonen und Teams habe ich erkannt, dass die Warnsignale in den meisten Fällen sehr ähnlich sind. Nur wer sie frühzeitig erkennt, kann rechtzeitig handeln. Die häufigsten Warnsignale habe ich nachfolgend für Dich kurz und knapp zusammengetragen:
- Fehlende Kommunikation: Informationen werden zurückgehalten, der Austausch unter Teammitgliedern nimmt ab, Absprachen sind unklar und Missverständnisse häufen sich.
- Geringes Vertrauen: Mitarbeitende sichern sich vor allem selbst ab und decken sich nicht mehr gegenseitig den Rücken. Häufiger arbeiten sie gegeneinander anstatt miteinander. Die Anspannung im Team ist meist gross.
- Unklare Rollen und Verantwortlichkeiten: Niemand fühlt sich wirklich zuständig, Aufgaben bleiben liegen, werden doppelt gemacht und Verantwortungsübernahme oder Eigeninitiative bleiben aus.
- Vermeidung oder Angriff anstatt Konfliktlösung: Spannungen untereinander werden entweder ignoriert oder eskalieren unkontrolliert. Unterschwellige oder offensichtliche Konflikte im Team nehmen zu.
- Sinkende Eigenverantwortung: Mitarbeitende machen vermehrt Dienst nach Vorschrift. Teameigenschaften, wie mitdenken, das eigene Potenzial einbringen, eigeninitiativ handeln oder Hilfe anbieten, werden zur Ausnahme.
Und warum scheitern Teams überhaupt?
Ein gescheitertes Team ist die Folge von schlechter Zusammenarbeit und der klaren Beobachtung, dass ein Team nicht mehr funktioniert. Aus Erfahrung ist es bis zum Scheitern eines Teams jedoch ein Weiter weg. Auf diesem Weg gibt es zudem zahlreiche Möglichkeiten, diese negative Entwicklung aufzuhalten und entsprechende gegenzusteuern. Dies bringen zwei Beobachtungen aus meiner täglichen Arbeit auf den Punkt. Spannend dabei ist: Teams scheitern häufiger auf der Beziehungsebene als auf der Wissensebene.
Die Storming-Phase als Team-Blockade
Jedes Team durchläuft nach Bruce W. Tuckman bestimmte Phasen der Entwicklung: Forming (Orientierung), Storming (Konflikte), Norming (Organisation), Performing (Integration) und Adjourning (Abschluss). In der Praxis wird dieser Prozess häufig nicht bis zur letzten Stufe durchlebt: Die meisten Teams bleiben in der Storming-Phase stecken, ohne dass sie es merken. Konflikte sind in der Storming-Phase normal und sogar wichtig für die Entwicklung des Teams. Das Problem dabei: Die wenigsten Teams und Führungskräfte sind sich dieser Wichtigkeit bewusst. Häufig werden Konflikte vermieden, anstatt sie aktiv anzugehen. Und genau hier liegt das Problem: Werden diese Konflikte ignoriert, bleibt das Team blockiert. Zeitgleich ist das auch eine wichtige Chance jeder Führungskraft: Wer in der Storming-Phase richtungsweisend führt, stärkt die Entwicklung des eigenen Teams erfolgreich.
Wenn psychologische Sicherheit fehlt
Das Konzept der psychologischen Sicherheit, geprägt von Amy Edmondson, ist ein weiteres wichtiges Fundament in der Teamarbeit. Fehlt psychologische Sicherheit, scheitern Teams. Mitarbeitende trauen sich nicht, Fehler zuzugeben, Bedenken offen anzusprechen und unbequeme Fragen zu stellen. Die Angst vor negativen Konsequenzen ist grösser als der Mut zur Offenheit. Genau das beobachte ich in der Praxis immer wieder: Menschen schweigen lieber, sie warten ab und halten wichtige Informationen zurück. Ihr Schweigen bewirkt, dass früher oder später kleine Probleme zu grossen Herausforderungen werden. Jedoch auch hier verbirgt sich eine grosse Chance für eine Führungskraft: Je früher sie für psychologische Sicherheit sorgt, desto eher bleibt das Team motiviert, handlungsfähig und produktiv.
5 unterschätzte Anzeichen für Teamprobleme: Beispiele aus der Praxis
Aufgrund meiner Arbeit mit Führungskräften und Teams kenne ich mögliche Anzeichen für Teamprobleme gut. Und ich weiss: sie haben viele Gesichter. Die nachfolgenden fünf Beispiele aus meiner Praxis zeigen, wie die häufigsten Teamprobleme konkret aussehen können.
- Der unterschwellige Konflikt zwischen zwei oder mehreren Teammitgliedern: das gesamte Team wird dabei oftmals in zwei Lager gespalten, ohne die wahren Gründe dafür offen anzusprechen.
- Langjährige Teammitglieder, die sich zurückziehen, weil deren Erfahrung, Wissen oder Hinweise auf Herausforderungen schlicht überhört oder nicht wertgeschätzt werden.
- Der High-Performer, der innerlich gekündigt hat, weil seine Vorschläge wiederholt ignoriert wurden, und daher zum Low-Performer geworden ist.
- Die ständig wiederkehrende Diskussion über Zuständigkeiten, weil Rollen und Verantwortlichkeiten nie klar definiert und im Team verteilt wurden.
- Das Meeting, in dem alle gleicher Meinung sind. Anschliessend wird in Kleingruppen die eigentliche Kritik vorgebracht, anstatt sie offen im Team zu äussern.
Erkennst Du Dein Team in einem dieser Beispiele wieder? Dann steckt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine der nachfolgenden drei Ursachen dahinter.
Die 3 wahren Ursachen für ein nicht funktionierendes Team
Die wahren Ursachen für schlechte Zusammenarbeit und ein Team, das nicht funktioniert, sind nicht immer offensichtlich und dennoch in den meisten Fällen die selben:
- Fehlende psychologische Sicherheit: Solange sich Mitarbeitende nicht trauen, offen zu sprechen, bleiben Probleme unsichtbar, bis sie eskalieren.
- Unklare Führung: Fehlen Orientierung, Klarheit über Ziele und Rollen oder ein bewusster Führungsstil, entstehen Unsicherheit, Orientierungslosigkeit und fehlende Motivation.
- Ungelöste Konflikte auf Beziehungsebene: Sachthemen lassen sich meist schnell klären. Ungelöste zwischenmenschliche Spannungen hingegen vergiften langfristig die gesamte Teamdynamik.
Das Gute daran: Führung schafft den Rahmen für Sicherheit, Klarheit und Konfliktfähigkeit im Team. Und genau darin liegt die grösste Chance, die Du als Führungskraft hast.
Was tun, wenn Dein Team nicht funktioniert?
Der erste Schritt ist der wichtigste: Genau hinschauen, beobachten und bewusst wahrnehmen, anstatt Probleme oder Warnsignale zu ignorieren. Dieser erste Schritt entscheidet darüber, ob Probleme im Keim erstickt werden oder dafür sorgen, dass Dein Team früher oder später nicht (mehr) funktioniert. Überlege daher bedacht: Welche der oben genannten Anzeichen und Ursachen triffst Du in Deinem Team an? Eine sorgfältige Bestandsaufnahme ist die Grundlage für Deinen Erfolg in der Teamführung und für den Erfolg Deines Teams.
Zum Schluss mein wichtigster Tipp für Dich…
Schau frühzeitig hin, beobachte Dein Team genau und reagiere punktuell und bewusst. Auch wenn Du nur eines der vorher genannten Warnsignale in Deinem Team wahrnimmst, lohnt sich eine genauere Analyse der Situation im Team. Es kann sein, dass alles im grünen Bereich ist. Es kann aber auch sein, dass dies ein erstes Anzeichen dafür ist, das grössere Wellen verursachen kann.
Und wenn Du merkst, dass Dein Team nicht (mehr) funktioniert, dann lies meinen nächsten Blog-Artikel, der in einem Monat erscheint. Darin zeige ich auf, wie Du Dein Team unterstützen kannst, damit es wieder funktionieren kann.
Wenn Du jedoch bis dahin nicht warten möchtest, dann ist jetzt vielleicht der richtige Moment für ein offenes Gespräch.
Weitere Fragen rund um das Thema beantworte ich Dir gerne in der nachfolgenden FAQ-Sektion. Wenn Dich noch etwas brennend interessiert, dann schreib mir gerne: info@sonjapichler.ch
FAQ – für alle, die noch mehr wissen möchten
Was kann ich tun, wenn mein Team nicht funktioniert?
Der erste Schritt ist eine ehrliche und sorgfältige Bestandsaufnahme: Welche Anzeichen und Ursachen aus diesem Artikel treffen auf Dein Team zu? Anschliessend braucht es Klarheit über Ziele und Rollen, offene Kommunikation und den Mut, Konflikte aktiv anzugehen. Welches die konkreten Schritte dabei sind, erfährst Du in meinem nächsten Blog-Artikel.
Welche Probleme können im Team auftreten?
Typische Probleme im Team sind fehlende Kommunikation, unklare Rollen, schwammige Ziele, unterschwellige Konflikte, mangelndes Vertrauen und fehlende Eigenverantwortung. Häufig treten mehrere dieser Probleme gleichzeitig auf und verstärken sich gegenseitig.
Was zeichnet schlechte Teamarbeit aus?
Schlechte Teamarbeit zeigt sich durch fehlende Offenheit, vermiedene anstatt gelöste Konflikte, unklare Zuständigkeiten und eine Atmosphäre, in der sich Mitarbeitende nicht trauen, ehrlich ihre Meinung zu äussern. Meist ist das Ergebnis sinkende Produktivität und steigende Fluktuation.
Warum funktioniert Teamarbeit manchmal einfach nicht?
Teamarbeit funktioniert oft dann nicht, wenn die Beziehungsebene im Team vernachlässigt wird. Fachliche Kompetenz allein reicht nicht aus. Ohne Vertrauen, Klarheit und psychologische Sicherheit bleibt das Potenzial eines Teams ungenutzt, unabhängig davon, wie gut die einzelnen Mitglieder fachlich sind.
Und warum scheitert genau mein Team?
Das lässt sich pauschal nicht beantworten, jedoch zeigt meine Erfahrung: In den allermeisten Fällen liegt die Ursache bei mindestens einem der drei Hauptfaktoren aus diesem Artikel: fehlende psychologische Sicherheit, unklare Führung oder ungelöste Konflikte auf Beziehungsebene. Ein genauer Blick auf Dein Team lohnt sich, um den individuellen Auslöser zu identifizieren und gezielt entgegenzusteuern.
Zur Autorin – Sonja Pichler
Sonja Pichler ist Expertin für bewusste Führungskultur und begleitet als betriebliche Mentorin Unternehmer und Führungskräfte in KMU in ihrer Führungsrolle und bei Führungsfragen. Ihre Arbeit verbindet fundiertes Fachwissen mit langjähriger und erfolgreicher Führungserfahrung. In ihren Begleitungen schafft sie einen passenden Rahmen, um Klarheit, Struktur und Orientierung in anspruchsvollen Führungssituationen zu gewinnen sowie Führungskompetenzen bewusst aufzubauen und weiterzuentwickeln.

